Baby!

Donnerstag, 31. März 2011

Letztes Wochenende war es soweit. Ich durfte ein Schulprojekt mit  nach Hause nehmen. Es handelte sich um eine Puppe, die sich wie ein echtes Baby verhält. Man bekommt ein Armband mit einem Chip ans Handgelenk, das man nicht abnehmen kann. Jedes Mal, wenn das Baby etwas will, muss man sich erst mit dem Armband dem Körper der Puppe nähern, bis es laut piep macht. Das ist dafür gedacht, dass man als Mutter erkannt wird und man das Kind nicht einfach jemanden anderen in die Hand drückt.
Man muss die Windeln wechseln, die Flasche geben, das Baby ein Bäuerchen machen lassen und muss es in den Schlaf wiegen.
Die Windeln werden zum Glück nicht dreckig, man hat insgesamt zwei davon, jede mit einem Chip in der Mitte. Die Flasche braucht man auch nicht füllen, das Baby erkennt einfach den Sensor im Nuckel.
Normalerweise bekommt man die Puppe am Freitag nach der Schule und sie wacht dann gegen 16 Uhr auf. Da ich aber nach der Schule Training hatte und unser Softballteam das Feld sauber machen musste, wurde mein Kind so programmiert, dass es erst um 21 Uhr aufwacht.
Ich war also 12 Stunden in der Schule und dann hatte ich eine Stunde Zeit, bis es aufwacht. Also habe ich schnell geduscht und dann ausprobiert, wie ich das Baby am besten halte, ohne dass der Kopf runterfällt, denn auf das richtige Abstützen des Kopfes wird hier ganz besonders viel Wert gelegt. Als ich gerade die blinkenden Lichter am Rücken sah, fing es an zu schreien. Ich bin total erschrocken und dachte, ich hab ihm irgendwie weh getan und es damit aufgeweckt. Ich war total verzweifelt und probierte es gleich mit der Flasche. Das war zum Glück auch richtig. Nach einer Weile habe ich mich daran gewöhnt, dass es schreit – von der Nacht mal abgesehen. In der ersten Nacht hat es mich zweimal aufgeweckt, in der zweiten Nacht dreimal und in der Nacht zum Montag einmal. Das wäre ja alles kein Problem, wenn es nicht bis zu 25 Minuten lang trinken würde. In der zweiten Nacht habe ich festgestellt, dass man ja die Flasche einfach mit einer Decke vor dem Mund so platzieren kann, dass man sie selber nicht halten muss. Aber ab und zu fängt das Baby an zu schreien und dann muss man die Flasche vom Mund wegnehmen und neu  reinstecken. Also nichts mit einfach schlafen während es trinkt. Es macht übrigens relativ realistische Geräusche, obwohl ich glaube, dass Babys nicht anfangen zu lachen, wenn sie fertig sind mit trinken oder eine neue Windel bekommen.
Außerdem habe ich dem Baby keine Hosen angezogen, da es so schneller geht, die Windeln zu wechseln (ein Tipp der Lehrerin). Man hat übrigens zwei Minuten Zeit, um mit dem Armband beim Baby zu sein und um herauszufinden, was es will. Ansonsten bekommt man Minuspunkte. Der Computer in der Puppe zeichnet alles ganz genau auf.
Ich habe darum gebeten ein Mädchen zu bekommen, da ich gehört habe, dass Mädchen besser sind als Jungs. Ich habe mein Babygirl Penny genannt. Ein echtes Kind würde ich nie so nennen, aber ich dachte, das ist ein ganz süßer Name für eine Puppe.

Am Samstag habe ich Penny mit zum einkaufen genommen. Ich war total nervös. Ich befürchtete, dass sie aus dem Sitz fällt und ich so Minuspunkte bekomme, oder dass sie allgemein anfängt zu schreien. Was sollte ich denn machen, wenn unterwegs die Windel gewechselt werden muss?

Kurz bevor wir da waren, hat sie im Auto angefangen zu weinen. Also hab ich sie nach vorn geholt, die Windeln gewechselt und dann war sie auch schon ruhig. Ich habe gleichzeitig nach Polizisten Ausschau  gehalten. Es ist nämlich schon einmal jemanden passiert, dass er von der Polizei angehalten worden ist, da das echt aussehende Baby nicht im Kindersitz angeschnallt war.
Kaum im Laden angekommen hat sie wieder angefangen zu weinen. Sie war durstig. Dafür habe ich schnell eine Lösung gefunden.Ich habe zum Glück keine dummen Blicke abbekommen, da wir ja noch mit drei echten Kleinkindern unterwegs waren. Also sah es nur so aus, als ob ich die helfende Schwester wäre.
Als Penny dann ein Bäuerchen machen und in den Schlaf gewogen werden wollte, musste ich sie allerdings auf den Arm nehmen. Während das Baby schrie, habe ich natürlich ein paar Blicke auf mich gezogen, aber ich habe immer schön mein Armband für jeden sichtbar gemacht…

Am Montag früh um 7 hat Penny sich ausgeschaltet.
Am Ende habe ich 100% dafür bekommen, was sehr selten in meiner Klasse ist.
Zusammengerechnet war Penny für genau 2 Tage und 10 Stunden am Leben. Insgesamt habe ich ihr Weinen auf 6 Minuten reduzieren können. Ich habe sie 5 Mal in den Schlaf gewiegt, 21 Mal die Windeln gewechselt, 10 Mal Bäuerchen machen lassen und 18 Mal gefüttert.

Softball

Freitag, 25. März 2011

Da die Cheerleader-Saison vorüber ist, wollte ich jetzt noch etwas anderes machen. Letzte Woche am Montag konnte man Softball ausprobieren und bis zum Freitag hat man dann erfahren, ob man es ins Team geschafft hat. Softball ist ähnlich wie Baseball, halt nur für Mädchen.
Also hab ich das mal ausprobiert. Drei Trainer haben das Ganze geleitet. Zwei Frauen und ein Mann. Zum ersten Mal fand ich, dass die Trainer wie typische amerikanische Trainer aussehen. Wahrscheinlich haben die Basecaps eine große Rolle dabei gespielt. Insgesamt sind 30 Mädchen aufgetaucht – in einem Spiel spielen nur 9 Spieler. Als erstes haben wir uns erwärmt und dann  mussten wir rennen. Oh, wie ich das liebe (nämlich überhaupt nicht). Danach haben wir uns weiter erwärmt. Die Erwärmungen haben mich an Tanzübungen erinnert, merkwürdige Tanzübungen.

Dann ging es in die Turnhalle und jeder hat sich seinen Softballhandschuh genommen und mit einem Partner den Ball hin und her geworfen. Ich hatte natürlich keinen Handschuh und meine Partnerin hat darüber blöd gelacht! Jemand hatte zum Glück einen zweiten, den ich mir ausborgen konnte. Als ich noch dabei war herauszufinden, wie man den Handschuh anzieht, der übrigens für die linke Hand ist, hat meine Partnerin den Ball bereits zu mir geworfen – grrrrr!

Nach einigen verschiedenen Übungen hatte ich den Dreh mehr oder weniger schnell raus und  habe festgestellt, dass die Bälle ganz schön schnell auf einen zukommen, dass es schwer ist, die mit einem Riesen-Handschuh und dazu mit der linken Hand zu fangen, dass man aus Reflex mit der rechten Hand fängt (schmerzhaft) und dass Softball nicht bedeutet, dass der Ball weich ist. Das Gegenteil ist der Fall.
Meine Partnerin vom Anfang war die Erste und Einzige, die den Ball voll ins Gesicht bekommen hat. Der Ball kam aber nicht von mir.
Kennt ihr das: Auch wenn man nicht an Gott glaubt, dass es manchmal Situationen gibt, in denen man denkt, dass wer auch immer da oben es mal so richtig gut mit einem meint?

Am Dienstag haben wir uns wieder schön erwärmt und dann übten wir statt fangen, schlagen. Mal musste man einfach den Ball von einem Ständer schlagen (ähnlich wie beim Golf, nur höher). Mal hat man dabei auf zwei weichen Bällen gestanden und versucht, die Balance zu halten. Bei einer anderen Übung musste man mit einem dünnen Stock kleine Bälle treffen.

Das Beste war aber ein großer, langer, vierseitiger Netzvorhang, eine Art Käfig. An einem Ende befand sich eine Ballwurfmaschine und am anderen Ende musste eine Person, bewaffnet mit Helm und Schläger, den Ball zurückschlagen. Ich durfte das auch machen. Hui, ich fand das soo toll! Ich bin nicht der vom Himmel gefallene Meister, aber dafür hab ich ein paar Bälle getroffen und einen habe ich sogar gerade bis ans andere Ende zurück geworfen. Am Ende des Tages hatte ich eine schöne, fette Blase an meinem linken Daumen, Autsch!

Mittwoch bis Freitag sind wir raus aufs Feld gegangen und haben dort von Werf-, Schlag-, Fang- und Rennübungen bis hin zur Spielroutine alles gemacht. Zum ersten Mal ist mir aufgefallen, dass wir ganze 6 Felder haben. Außerdem fand ich, dass es nach Meer roch. Aber wahrscheinlich lag es nur an der warmen Luft, die mich an Urlaub erinnert hat. Trotzdem hatte ich das Gefühl, als wenn Sand mit Hilfe von Sonnencreme an meiner Haut klebt. Auch die Möwen, die keine Einbildung waren, haben mir ein Urlaubsgefühl verschafft…
Draußen konnten wir auch mal lernen den Ball zu fangen, wenn er von weiter weg  im hohen Bogen auf einen zukommt.
Für die meisten kein Problem, da alle mehrere Jahre Erfahrung haben. Ich aber als Cheerleader weiß nur, wie man Menschen in die Luft wirft, wie die runter kommen und wie man die auffängt. Ich habe aber keine Erfahrung, wie sich so ein Softball verhält.
Mal bin ich zu weit gerannt und der Ball ist weit hinter mir aufgekommen und mal bin ich stehen geblieben, habe meinen linken Arm in die Luft gehalten und hab auf den Ball gewartet, der jedoch weit vor mir aufgekommen ist. :D
Einmal habe ich ihn dann doch fangen können. Ich den Arm in die Luft und der Ball fällt mit Karacho in den Handschuh. Ich hatte vor Schreck meine Augen zu und hab mich gefreut. Doch so schnell der Ball im Handschuh war, ist er auch wieder rausgefallen. Er ist schwer mit dem Handschuh zu greifen und eigentlich nimmt man die rechte Hand, um den Ball davon abzuhalten wieder rauszufallen. Ich hatte aber meine ungeschützte Hand schön unten in Sicherheit gehalten. Ach ja, ich wünschte ich könnte mich selber beim Training beobachten. Das wäre was, wobei ich viel, viel Spaß haben würde…

Am Freitag wurde dann jedem gesagt, ob er es ins Junior-Team oder ins Fortgeschrittenen-Team geschafft hat.
Mir haben sie erzählt, dass letztes Jahr schon einmal eine Austauschschülerin bei dem Probetraining teilgenommen hat. Die wurde dann Manager. Klingt toll, ist es aber nicht. Das bedeutet nämlich nur, dass man die ganze Zeit zugucken und mit aufräumen helfen darf. Bei mir jedoch haben sie einen Fortschritt gesehen. Am Anfang hatte ich keine Ahnung, wo ich mich mit meinem Schläger hinstellen soll. Dann haben sie mir gezeigt wohin und ich hab sofort den Ball getroffen. Selbst die anderen mit Erfahrung treffen auch nur selten den Ball. Danach muss man losrennen. Da hab ich auch eine Weile gebraucht, bis ich das mitbekommen habe, wann man rennt und bis wohin. Um das zusammenzufassen: Ich hatte absolut keinen Plan, aber als mir Teile gezeigt wurden, habe ich die relativ gut ausgeführt. Die Trainer hatten Spaß mir zuzusehen. Das heißt, ich darf mit dem Junior-Team trainieren!
Also hat es sich doch gelohnt am Dienstag wieder zu kommen, obwohl ich vor den Bällen Angst hatte.
Dieses Jahr hat sich auch noch eine andere Austauschschülerin aus Deutschland bei Softball angemeldet. Die war vorher Managerin vom Basketballteam. Sie ist am ersten Tag nicht wirklich aufgetaucht und die anderen Tage hat sie nur dagestanden und zugeguckt und beim aufräumen geholfen. Ich nehme mal an, sie hat sich selber zu unserer Managerin gemacht.
Es scheint doch eine Art Gott zu geben, der es gut mit mir meint, denn: Nein, ich kann die andere Austauschschülerin nicht besonders leiden.

Hier gibt es ein paar Erklärungen zu Softball (Regeln usw.)

Und so ungefähr sieht das aus: (Da bin weder ich noch unsere Mannschaft zu sehen)

 

Das kann mir aber auch nur in Amerika passieren!

Samstag, 19. März 2011

Es war am letzten Freitag. Ich war gerade aufgestanden und Caesar musste mal in den Garten. Also habe ich die Tür geöffnet und unsere Alarmanlage ging los. Kein Problem dachte ich, ich hab das Ding ja schon so oft an- und ausgeschaltet, nur dass das schon etwas länger her war. Normalerweise steht Jerimy vor mir auf und schaltet den Alarm aus. Aber nicht an diesem Morgen…
Ich habe natürlich den falschen Zahlencode eingegeben! Erst hat es eine Weile laut gepiept, dann hat es für ein paar Sekunden aufgehört zu piepen und das Teil wartete auf den richtigen Zahlencode. Der kam aber leider nicht aus meinem Kopf raus, er hat anscheinend noch in meinem Gehirn geschlummert. Nach ein paar Sekunden hat es wieder angefangen zu piepen, das aber auch nur für wenige Sekunden. Dann ging es in einen lauten Dauerpiepton über!
Naja, das ist auch nicht weiter schlimm. Muss ich halt jemanden aufwecken, wenn er nicht eh automatisch munter wird von dem Lärm. Doch der Haken an der Sache ist, dass nach einer Weile die Polizei gerufen wird!
Also bin ich die Treppen hoch gehechtet, hab Tracy aufgeweckt und habe ihr nur Wörter an den Kopf geschmissen wie: Code, Alarmanlage, vergessen, schnell. Tracy, anscheinend genauso verwirrt, stand auf und warf mit Wörtern zurück. Sie hat mir den Code gesagt und dass ich mich beeilen soll, während sie an mir vorbei gerannt ist und den Alarm entsichert hat. Ich hab nur verwirrt dagestanden und mir die Ohren zugehalten… Danach musste ich erst einmal meine durchgeschwitzten Sachen wechseln. Was für ein Morgen…

Am gleichen Tag war Senior-Skip-Day. Das heißt, dass sich die 12.Klässer, die Seniors, einen Tag ausmachen, an dem sie schwänzen. Nicht jeder hat die Schule geschwänzt, ich auch nicht.
In der 5. Stunde wurden die restlichen Seniors – wir waren weniger als 30 Schüler – in die Cafeteria gebeten. Die Lehrer haben uns mehrere Eiscremesorten mit Soßen gekauft. Wir haben reichlich reingehauen und hatten unseren Spaß. Hat sich also doch gelohnt zur Schule zu kommen!

Am Mittwoch dieser Woche hatten wir unsere letzte Cheerleaderversammlung. Jeder hat was zu essen mitgebracht. Ich nahm deutsche Schokolade mit, die sehr gut angekommen ist. Danach hat jeder eine Urkunde bekommen, dass er im Team war, und einen Anstecker für seine Jacke. Jede High-School hat ihre eigene Jacke, eine Art Kunstlederjacke in den Schulfarben. Allerdings ist die Jacke so hässlich, dass es zu schade wäre, Geld dafür auszugeben. Deshalb habe ich keine solche Jacke. Hinten auf der Jacke stehen die Sportarten, die man macht, und vorn drauf der eigene Nachname. Als Erstes, wenn man in einem Team gespielt hat, bekommt man den Buchstaben I, für Ida. Dazu erhält man einen Anstecker, der die Sportart repräsentiert, für Cheerleading ein springendes Mädchen mit Pompoms in den Händen. Für jedes teilgenommene Jahr bekommt man dann einen Balken. Die Urkundenvergabe hat sich wie eine Zeugnisausgabe in der Grundschule angefühlt. Dann gab es noch einige Auszeichnungen und dann war es aus mit Cheerleading.

Am 17. März war Sant-Patricks-Day, der Nationalfeiertag in Irland. Da es aber anscheinend genügend Iren in Amerika gibt, wird er auch hier gefeiert. An dem Tag werden grüne Sachen getragen und wer sich nicht daran hält, darf von Grünträgern gekniffen werden.

Am gleichen Tag hat Charlotte beim Ultraschall erfahren, dass sie einen Jungen bekommen wird. Der voraussichtliche Entbindungstermin ist ungefähr Anfang Juli.